Geschlechtsbestimmung im Ei muss nicht sein!

Auf den Hahn gekommen!

Nach dem Gerichtsurteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 13. Juni 2019 dürfen vorerst weiterhin männliche Küken getötet werden, nur weil sie keine Eier legen und schlecht Fleisch ansetzen. Wirtschaftliche Interessen dürfen jedoch nicht das Töten von Küken zur Folge haben – das finden auch immer mehr Verbraucher*innen. Jetzt sind sie, aber auch der gesamte Handel, insbesondere die Biobranche, in der Verantwortung. Inga Günther, Geschäftsführerin der Ökologischen Tierzucht gGmbH (ÖTZ) appelliert, dabei auf echte und ganzheitliche Alternativen zu setzen – und spricht sich gegen die In-Ovo-Selektion aus.

Für Inga Günther bedeutet die Geschlechtsbestimmung im Ei sogar eine „Verschlechterung der Zustände“, da bei dieser Methode eine Verwertung wie beim „Futterküken“, das in Zoos oder Adlerwarten verfüttert wird, nicht möglich sei – und das Kükentöten zudem nur vorverlegt würde. Echte Lösungen sind hingegen die Bruderhahnaufzucht sowie Zweinutzungshühner, die sowohl Eier legen als auch Fleisch ansetzen. Ein solches echtes Zweinutzungshuhn für die Biobranche züchtet die ÖTZ, ein gemeinsames Projekt von Bioland und Demeter. Schon heute bietet die Ökotierzucht mit den ÖTZ-Hühnern und Hähnen eine ganzheitliche Lösung, bei der die männlichen Tiere aufgezogen werden und ihr Fleisch als kostbares Lebensmittel kulinarisch und finanziell wertgeschätzt wird. „Damit starten wir nicht weniger als eine Revolution in der Geflügelhaltung. Wir setzen zu hundert Prozent auf Bio und Tierwohl von Anfang an – mit konzernunabhängiger, ökologischer Tierzucht in Bauernhand“, so Günther.

„Essen Sie weniger Geflügelfleisch, dafür aber hochwertiges! Fragen Sie nach, ob Eier und Fleisch ökologisch und mit Hahnenaufzucht erzeugt wurden. Damit der Bruderhahn leben kann, muss er gegessen werden – bei einem Hahn pro Verbraucher und Jahr wäre das Kükentöten passé“, appelliert Inga Günther an Verbraucher*innen. „Jeder entscheidet an der Ladenkasse, wie sehr einem das Tierwohl am Herzen liegt.“

Aber auch die Bio-Branche ist gefragt: „Um diese Revolution bis auf die Teller zu bringen, müssen sich die Akteure der Bio-Branche zusammentun und gemeinsam für die Aufzucht männlicher Tiere eintreten.“ Günther appelliert an alle Beteiligten und vor allem an den Naturkostfachhandel, diese echten Alternativen zum Kükentöten als Chance zu begreifen: „Lasst uns alle genau auf den setzen, der bislang als wertlos aussortiert wird: den Hahn.“

Die Alternativen im Überblick:

Mast der Bruderhähne: Seit rund 10 Jahren treten einige Initiativen dafür ein, die Brüder der Legehennen als sogenannte Bruderhähne aufzuziehen und zu mästen. Die bekanntesten Initiativen in Deutschland sind die Bruderhahninitiative Deutschland (BID) im Norden und der „Stolze Gockel“ von Peter Schubert im Süden. In beiden Projekten werden die Hähne 18 bis 20 Wochen gemästet. Mittlerweile gibt es eine breite Palette an Bruderhahn-Produkten (Fertiggerichte im Glas, TK-Waren, Wurst). In beiden Projekten wird die Mast der Hähne durch einen Zuschlag auf die Eier von rund 4 Cent pro Ei subventioniert. Der Verkauf der Fleischprodukte erfolgt in der Regel über die gleichen Wege wie der Verkauf der Eier. Verkaufsstellen des Bruderhahns unter: www.bruderhahn.de/haendlerliste
Neben den Bruderhahn-Produkten im breiten Handel, bieten immer mehr direktvermarktende Legehennen-Halter ganze Hähnchen und Teilstücke in ihren Hofläden und im Naturkosthandel an.

Zweinutzungshuhn: Einen Schritt weiter geht der Einsatz von Zweinutzungshühnern. Das sind Tiere, bei denen sowohl Hahn als auch Henne ohne Querfinanzierung durch die „andere Seite“ auskommen. Das heißt, der Hahn setzt genügend Fleisch an und die Henne legt genügend Eier, um für einen Öko-Betrieb bei fairen Preisen wirtschaftlich zu sein. Hier gibt es bereits von der Ökologischen Tierzucht gGmbH vielversprechende Herden mit Zweinutzungstieren aus Gebrauchskreuzungen von Lege- und Mastrassen.
Das Zweinutzungshuhn soll und wird unter rein wirtschaftlichen Aspekten nicht die Leistungsfähigkeit der spezialisierten Mast- oder Legelinien erreichen. Für marktnah wirtschaftende Betriebe kann es jedoch eine echte Alternative zu den hochspezialisierten Linien der wenigen großen Zuchtkonzerne sein. Das ÖTZ-Zweinutzungshuhn macht die Landwirt*innen nicht nur unabhängig von den Konzernen, sondern auch von Futtermittel-Importen: Ein Zuchtziel ist, dass Zweinutzungshühner und -hähne mit regionalen Futterkomponenten und Reststoffen der Nahrungsmittelerzeugung anstatt mit Import-Soja gefüttert werden können. www.das-oekohuhn.de

Die Ökologische Tierzucht gGmbH ist der im März 2015 gegründete gemeinnützige Träger für eine eigenständige, ökologische Tierzucht. Als Gesellschafter gehen die beiden Bio-Verbände Bioland und Demeter dafür eine Kooperation ein. Ziel des Projektes ist es, eigene, authentische Strukturen für eine ökologische Tierzucht zu schaffen. Das Ziel der ÖTZ: ein Huhn zu züchten, das sich für beides eignet: zum Eierlegen und zur Mast und das gut mit den Bedingungen eines Öko-Betriebs zurechtkommt, etwa mit regionalem Biofutter.

Für Informationen oder ein Interview kontaktieren Sie gerne:

Inga Günther, Geschäftsführerin Ökologische Tierzucht gGmbH
Telefon +49 7551-9443545 / mobil +49 151-10820382; inga.guenther@oekotierzucht.de
www.oekotierzucht.de

13. Juni 2019